Der Stuhl aus dem Gefängnis


Ich sitze im Vorraum der JVA Bostadel.
Am Empfang musste ich mich melden. Man fragte mich, was mein Begehren sei.
Nun warte ich hier in diesem schmucklosen, hellen Raum.
Eine Reihe grauer Garderobekästchen. Zwanzig genau.
Zwei weisse, quadratische Tische, zusammengeschoben zu einem.
Vier ebenso schmucklose Stühle.
Der Boden: hellgelber Linoleum mit schwarzen Sprenkeln.
Ein Treppenaufgang, abgeschlossen durch eine Glastrennwand mit Tür.
Ein Lift.
Ich warte.
Empfang habe ich auf meinem Handy keinen.
Also habe ich Zeit, nachzudenken.
Hier sind Menschen untergebracht, die schwere Delikte begangen haben oder als besonderes Sicherheitsrisiko gelten.
Viele verbüssen lange Strafen. Andere sind verwahrt.
Was bedeutet es, so lange eingesperrt zu sein?
Monate.
Jahre.
Ohne festes Ende.
Bereuen die Männer ihre Tat?
Oder wird auch das irgendwann still?
Gab es Fluchtversuche?
Die Lifttür öffnet sich.
Ein dumpfes, rollendes Geräusch.
Ein Mann verlässt den Lift.
Herr Müller, stellt er sich später vor.
Er trägt meinen Stuhl.
Meinen Wohnzimmerstuhl.
Er ist bereits zum zweiten Mal kaputt.
Das eine Stuhlbein brach, als ein Gast darauf kippelte.
Ich brachte ihn zur Schreinerei.
Die erste Reparatur hielt nicht lange.
Hier, so dachte ich, würde man es richtig machen.
Zwei Wochen später kam der Anruf.
Ich könne ihn abholen.
Herr Müller erklärt mir ausführlich, wie er die Reparatur vorgenommen hat.
Der alte Leim liess sich nicht vollständig entfernen.
Der Dübel im Bein war zu kurz.
Er habe ihn ersetzt und das Ganze verstärkt.
Die Rechnung werde online geschickt.
Ich bedanke mich.
Am Ausgang nicke ich dem Pförtner zu.
Dann öffnet sich die Tür.
Ich trage meinen Stuhl hinaus.
Hinter mir schliesst sich die Tür wieder.
Ich verstaue den Stuhl im Auto und fahre nach Hause.



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